Behandlungsmöglichkeiten bei Vitiligo

Diese Fragerunde findet statt am Do 21.Mai 2015 17-19Uhr.

"Behandlungsmöglichkeiten bei Vitiligo"
Herr Prof. Dr. med. Lasse R. Braathen, Facharzt FMH für Dermatologie, Facharzt FMH für Allergologie und Klinische Immunologie, FMH für Angiologie, Ittigen bei Bern. 

Sie können Ihre Frage auch bereits vorgänig eingeben. Die Antworten und Fragen werden direkt am 21.5.2015 aufgeschaltet und live beantwortet.

 

Frage von Paolo |

Sehr geehrter Herr Prof. Braathen
Ich leide an Vitiligo - welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Vitiligo?
Ist es wahr, dass Michael Jackson tatsächlich an Vitiligo litt? Wie kann es daher sein, dass er keine "Flecken" hatte und anschl. ganz weiss wurde?
Danke für Ihre Antworten

Frage von Gerardo |

Ich habe seit 33 Jahren Vitiligo, was hat man Neues gefunden gegen Vitiligo?

Frage von Martin |

Mein Arzt sagt mir, es gebe keine Behandlung die gegen Vitiligo wirklich wirkt. Ich solle einfach lernen, damit zu leben.
Es gibt aber Behandlungsmethoden. Wirken diese wirklich alle nicht?
Gibt es neue Erkenntnisse mit dem Einbringen von Pigmenten aus den Haaren in die Haut?
Was empfehlen Sie mir? Ich möchte vor allem eine weitere Ausbreitung der Flecken verhindern.

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Frage von Martina |

Sehr geehrter Herr Prof. Braathen
Ich habe gelesen, dass eine unter die Haut gespritzte Injektion mit Afamelanotid die Repigmentierung bei Vitiligo fördern kann, wenn sie zusammen mit einer UVB-Phototherapie kombiniert wird.
Glauben Sie, dass die Forschungsergebnisse mit Afamelanotid ein Erfolg werden und Afamelanotid bald einmal in der Behandlung von Vitiligo eingesetzt wird?
In welchen Fällen wäre eine solche Behandlung möglich?

Antwort

Ob die entgültige Studienresultate mit Afamelanotid so gut werden dass es als Routinebehandlung eingesetzt wird, muss die Zeit zeigen. Vorlaüfig sieht es nicht nach eine phantastische Behandlung aus. Wenn wir davon ausgehen dass Vitiligo ein Autoimmun-Erkrankung ist und die Melanozyten nicht funktionsfähig sind, ist es wohl nicht sicher dass es viel hilft die Melanozyten zu stimulieren. "Ein totes Pferd zu peitschen hilft wohl nicht viel." Vielmehr glaube ich an Behandlungsansätze die in die Immunologie eingreift.

Frage von Frau Sch |

Lieber Herr Braathen
Unsere Tochter bekam vor zehn Tagen die Diagnose Vitiligo. Sie ist sieben Jahre alt. Sie hat vorallem weisse Flecken auf der rechten Hand und dem rechtem Arm. Diese Flecken werden seit etwa zwei Monate sichtbar. Ich finde sie breiten sich rasch aus. Vom Hautarzt bekamen wir Protopic. Diese Salbe probieren wir nun an einer Stelle aus, um die Verträglichkeit zu testen. Ansonsten hat er keine weiteren Massnahmen empfohlen. Was raten sie uns, wie sollen wir weiter gehen? Welche Abklärungen machen allenfalls noch Sinn? Welche weiteren Therapien? Wie ist es, wenn Vitiligo schon so jung ausbricht, empfehlen sie in ein besonders Vorgehen? Sie selbst stören die Flecken im Moment nicht stark.
Ich bin gespannt auf ihre Antwort und danke ihnen herzlich.
Auch finde ich das Angebot diese Chat, eine ganz tolle Sache.
Sch.

Antwort

Protopic ist eine gute Behandlung, wenn es sich aber rasch ausbreitet würde ich zusätzlich eine starke Kortisoncreme ca 10 Tage benutzen in ein Versuch die Ausbreitung zu stoppen. Haben sie die Schilddrüse untersucht ? Einige Patienten haben auch ein Schilddrüsen-Erkrankung. Es geht um Antikörper gegen die Schilddrüse. Auf dauer braucht es auch Behandlung mit Ultraviolet Bestrahlung. Dass kann man auch nur lokal an den Läsionen durchführen um die Strahlenbelastung für Gesunde Haut zu reduzieren. Kinder können auch gut repigmentieren.

Frage von Rölli Esther |

Meine Tochter, sie ist bald 12 Jahre alt, hat seit 8 Jahren Vitiligo. Lichttherapien haben nichts bewirkt, das Aufsuchen mehrerer Ärzte auch nicht. Alles habe ich probiert. Die Krankheit ist auch am Gesicht ausgebrochen und ziemlich rasant. Ich habe grosse Mühe damit umzugehen, als Mutter. Meine Tochter fängt sich nun langsam an, die Stellen im Gesicht mit Puder abzudecken. Gibt es wirklich keine Therapie, egal wo, wie teuer, damit man die Verbreitung, vor allem im Gesicht stoppen kann? Der Hausarzt hat mir seinerzeit geraten, es einfach so sein zu lassen. Seine lapidare Antwort war, ich könne froh sein, es schmerze nicht und es sei keine tödliche Krankheit, was wohl war ist, trotzdem versucht man alles, um dem Kind zu helfen. Danke für Ihre Antwort. Auch ich finde das eine gute Sache mit diesem Chat.

Antwort

Leider helfen die gängige Therapien nicht bei allen. Wenn es ein "Mirakelkur" gegeben hätte, kann ich Ihnen versichern dass wir sofort die an allen Patienten gegeben hätten. Man kann versuchen eine kurze Zeit ein starke Kortison-Creme zu benutzen in ein Versuch die Ausbreitung zu stoppen. Melanozyten-Transplantation ist auch eine Möglichkeit wenn alles andere nicht hilft. Bevor man dass macht muss die Erkrankung ein Jahr ruhig gewesen sein. Und das kommt nur in Frage bei Erwachsenen, und ist teuer. Es gibt gute Camouflage-Cremen als "Notlösung". 

Frage von Rölli Esther |

Meine Tochter hat bereits seit 8 Jahren Vitiligo. Seinerzeit sagte der Hausarzt zu mir, dass man dagegen nichts machen könne. Ich soll einfach denken, zum Glück habe sie keine tödliche Krankheit und es schmerze nicht.

Angefangen hat es an den Knien, Händen, an den Füssen, an den Knöcheln, es wächst weiter am Ellbogen und auch leider im Gesicht, und das nicht wenig. Sie fängt nun an sich zu schminken. Es ist schon eine sehr grosse Belastung, vor allem auch für mich als Mutter. Es mag ja gut und recht sein, dass das amerikanische Fotomodell so gut zu ihrer Krankheit stehen kann und damit nun Erfolg hat. Aber das gelingt wohl nur in Einzelfällen. Wenn ich meiner Tochter dieses Photo zeige, will sie es nicht anschauen und rennt weinend davon.

Gibt es irgendeine Behandlungs-Möglichkeit, damit man versuchen könnte, es wenigstens im Gesicht zu stoppen, denn das ist meiner Meinung diejenige Stelle, die am meisten betroffen macht. Danke für Ihre Antwort.

Antwort

Ja, es gibt Möglichkeiten die Verschlechterung zu stoppen. Alter Ihre Tochter spielt eine Rolle bei Therapiewahl, aber grundsätzlich kann man Kortison-Präparate versuchen; lokal, und in ganz schweren Fällen wo es sich sehr rasch ausbreitet, sogar Kortison-Tabletten eine begrentzte Zeit. Sie sollten einen guten Spezialisten aufsuchen. SPVG kann Ihnen sicher helfen mit Namen und Adressen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Frage von R. Ae. |

Guten Abend Herr Prof. Braathen
Bezug nehmend auf das Interview in Hautsache 03/2015 stelle ich Ihnen gerne einige Fragen zu Vitamin D:
Wozu braucht unser Körper Vitamin D?
Für die Produktion von Vitamin D in der Haut brauchen wir Sonnenlicht. Können Sie diesen Vorgang kurz erklären?
Ist erforscht, ob auch infolge Vitiligo depigmentierte Haut diese Leistung erbringen kann?
Wann empfehlen Sie als Ergänzung Vitamin D-Tabletten?
Herzlichen Dank für Ihre Antwort - R.Ae.

Antwort

Vit. D ist wichtig für Regulation unser Calcium-und Phosphathaushalts. Mangel kann z.b. an Kinder zu schweren  Knochenveränderungen führen (Rachitis). Vit D3 wird bei UV-Bestrahlung in der Haut synthetisiert. Vit D3 und D2 wird produziert aus ihre Provitamine bei der UV-Bestrahlung. Ich kenne keine Studien bezüglich Vit D Produktion in Vitiligo-Haut. Es ist eine interessante Frage aber wahrscheinlich nicht von grosse Bedeutung weil die meisten mit Vitiligo genugend gesunde Haut haben um genug Vit D zu produzieren. Ausserdem gibt es Vit D in viele Nahrungsmittel, z.B. Dorschleber-Oel/Lebertran. Man kann auch flüssig oder Tabl. mit D-Vitamine nehmen, tun ja auch viele ältere Leute mit Osteoporose. Es gibt auch anhaltspunkte dafür dass Vit D mangel zu mehr interne Krebse führen kann.

Frage von Susanne |

Guten Tag Herr Prof. Dr. Braathen
Seit 8 Jahren habe ich auch Vitiligo im Gesicht (an Schläfen, Kinn und etwas schwächer um die Nase). Auf Empfehlung meines Hautarztes behandle ich nun die Stellen seit 10 Wochen mit Protopic. Nach zirka 4 Wochen hat die Repigmentierung am Kinn eingesetzt. Aktuell habe ich vor allem die untere Kinnhälfte braun „gepünktelt“.
Kann ich die Behandlung so lange fortsetzen, bis sich eine totale Repigmentierung eingestellt hat oder darf man Protopic nicht zu lange anwenden? Kann ich überhaupt damit rechnen, dass es zu einer totalen Repigmentierung kommt? Welche Erfahrungen machen Sie mit Protopic?
Noch ein Thema beschäftigt mich: Seit zirka 15 Jahren habe ich auch Erwachsenenakne, seit 3 Jahren hauptsächlich an Hals und an Rücken, was immer mehr Narben hinterlässt. Nach einer erfolglosen Antibiotikabehandlung im letzten Jahr überlege ich mir nun, ob ich wirklich eine Behandlung mit Isotretinoin machen soll? Wenn ja, wäre das überhaupt mit der gleichzeitigen Anwendung von Protopic vereinbar? Kann die Isotretinoinbehandlung eventuell die Ausbreitung von Vitiligo fördern?
Herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen!

Antwort

Protopic ist eine gute Behandlung, und sie können es lange Benutzen. Ich würde weitermachen, es hilft Ihnen ja offenbar gut. Ich habe viele Patienten die praktisch vollständig repigmentiert haben im Gesicht, in Kombination mit UV.

Für Ihre Acne musste ich mehr wissen, und vor allem sehen wie es aussieht. Dass Isotretinoin die Ausbreitung von Vitiligo fördern kann glaube ich nicht, aber in der Medizin gibt es leider immer die Ausnahmen und keine Garantien.

Frage von Sandro |

Sehr geehrter Herr Braathen

Ich habe letztes Jahr in Selbstdiagnose Vitiligo rund um die Augen, Mundwinkel, an den Händen und unter den Armen entdeckt und beim Dermatologen bestätigen lassen. Er hat dann ein Muttermal mit Hof auf dem Rücken entdeckt und sagt, bei dieser Form von Vitiligo gebe es wenig Hoffnung auf eine Behandlung. Er hat mir erst Elidel, dann Cultivate verschrieben, beides habe ich monatelang aufgetragen – ohne Erfolg. Im Gegenteil: Vor allem an den Händen wachsen die Flecken. Dann habe ich im Netz über die Häufigkeit weiterer Autoimmunkrankheiten gelesen und auf eine Untersuchung bestanden. Ergebnis: Verdacht auf eine perniziöse Anämie. Ich bekam 3-4 B12-Injektionen, jetzt sei alles wieder gut.

Was raten Sie mir?

Antwort

Muttermal mit weissen Hof sieht man bei Vitiligo, aber auch bei Patienten ohne Vitiligo. Mit der Zeit kann dann das Muttermal vollständig verschwinden. Es ist vor allem Autoimmun-Schilddrüsen-Erkrankung die assoziiert ist mit Vitiligo. Man bestimmt TSH und Antikörper gegen die Schilddrüse im Blut um es zu untersuchen. Elidel und Cutivate sind gute Behandlungen, ich würde aber im Gesicht auf Protopic zweimal täglich wechseln, und UV-Bestrahlung noch dazu. Hände, und vor allem Finger sind sehr schwierig zu Behandeln. Ich habe wohl nie sehr gute Resultate gesehen von Behandlung von Vitiligo an den Fingern.

Frage von Sebastian |

Sehr geehrter Herr Prof. Braathen,
Vitiligo wurde bei mir vor über 10 Jahren diagnostiziert doch es scheint sich in der Forschung leider nicht sehr viel zu tun da es ja "nur" 1-2% der Weltbevölkerung betrifft und nicht ansteckend und tödlich ist. Glauben Sie das auf Grund dieser Eigenschaften der Krankheit die Forschung stockt und die grossen Pharmafirmen keine Wirtschaftlichkeit sehen um sie voranzutreiben? Geld regiert schliesslich die Welt und was sind schon 70-90 Millionen erkrankte Personen wenn es noch andere Krankheiten gibt die ein grösseres Gewinnpotential haben und eventuell leichter heilbar erscheinen.
Vielen Dank das Sie sich die Zeit nehmen unser aller Fragen zu beantworten.

Antwort

Sie sprechen ein Wunden Punkt an, vieles was Sie schreiben muss man wohl annehmen. Forschung in Vitiligo ist bei keinen grossen Pharmafirmen die ich kenne Schwerpunkt. Im allgemeinen besteht medizinische Forschung/Entwicklung aus viele kleine Schritte, die dann doch am Ende zu wesentliche Verbesserungen in der Behandlung führt. Wenn ich zurückdenke an das was ich als Student damals gelernt habe, und was damals gängige Praxis war, so ist es heute total anders, es sind Welten dazwischen. Behandlung von Vitiligo hat sich den letzten 20 Jahren nicht wesentlich verbessert. Früher hiess es "es ist nichts zu machen, es ist ja auch nur kosmetisch". Das hat sich geändert, man kann effizient behandeln, und man ist sich jetzt viel mehr bewusst dass die Erkrankung bei vielen Patienten zu eine wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Damit verbundene psychische Probleme sind oft der Grund für die Suche nach effiziente Behandlung. In der Unterricht habe ich das immer schwerpunktsmässig gebracht. Ich glaube am ehesten an eine therapeutische Entwicklung die die Autoimmunität angreift, auf Basis von moderne immunologische Kenntnisse.

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