Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Psoriasis

Diese Fragerunde findet statt am Do 26. Juni 2015 17-19Uhr.

"Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Psoriasis"
Herr Prof. Dr. med. Nikhil Yawalkar, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Allergologie und Klinische Immunologie, Universitätsspital Insel Bern

Sie können Ihre Frage auch bereits vorgänig eingeben. Die Antworten und Fragen werden direkt am 26.Juni 2015 aufgeschaltet und live beantwortet.

 

Frage von Werner |

Seit x-Jahren leide ich an Kopfhautpsoriasis und habe während dieser Zeit x-Shampoos oder andere Therapien verwendet, u.a. Xamiol Gel, das Cortison enthält, was mich davon abhält, es trotz gewissem Erfolg dauernd anzuwenden. Gibt es heute wirkungsvollere Alternativen ?

Antwort

Bei der Behandlung  der Kopfhautpsoriasis wirkt die Kombination von einem  Cortison mit einem Vitamin D  (wie Sie es benutzen mit Xamiol) meistens recht gut. Die Nebenwirkung von Kortison ( am wichtigsten ist die  Hautverdünnung) treten im Haarboden nicht auf, wenn Sie es richtig anwenden. D.h.  1-mal täglich  für 2-4 Wochen ( max. über einen Zeitraum von bis zu 8 Wochen) und danach 1-2 x pro Woche. Ich habe Patienten die dies 1-2 x pro Woche machen über Jahre, ohne dass eine Hautverdünnung im Haarbereich sichtbar ist.  Achten Sie darauf dass es nicht ins Gesicht  abtropft.

Es gibt keine bessere und praktische Alternative als Cortison mit oder ohne  Vitamin D bei der Lokaltherapie. Teer ist zwar auch wirksam ( sogenannte Duret-Kappe), dies ist aber für die meisten Patienten heute nicht akzeptable.

Frage von Marthe |

Kopfhaut ist auch bei mir ein grosses Problem: Luft und Licht reichen nur manchmal. Ist ein "Weichmacher" der Kopfhaut ratsam? In letzter Zeit habe ich jeweils auch eine Spülung anschliessend an die Haarwäsche gemacht. Die Stellen haben sich nicht mehr so stark verhärtet und reizen mich weniger zum Kratzen ;) . Gibt es Alternativen ? Herzlichen Dank im Voraus!

Antwort

Bei der Behandlung  der Kopfhautpsoriasis  finde ich, dass die  Kombination von einem  Cortison mit einem Vitamin D (entweder als Kombinationspräperat: Xamiol, oder getrennt mit einem Cortisonpräparat z.B am Wochenende  ( in Form von Schaum (z.B. Clarelux),  Tinkturen und Emulsionen  ( zahlreiche Produkte) oder Shampoo (Clobex) und einem Vitamin D Präparat (z.B Curatoderm unter der Woche) bei vielen Patient hilfreich ist.

Die Behandlung wird anfänglich täglich gemacht  für 2-4 Wochen und kann danach je nach dem Befund reduziert werden auf  2 mal pro Woche. Wenn Sie die Therapie so machen treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf.

Begleitend  können  Sie Shampoos brauchen mit Schieferöl ( Ichthyolz. z.B. Isoft oder von Lubex) oder Hamamelis (Erol) brauchen. Danach aber keine Spülung gebrauchen.

Frage von J. |

Guten Tag
Meine Haut (Hände und Füsse) ist unter medikamentöser Behandlung soweit akzeptabel. Jedoch werden meine Fingernägel immer schlimmer. Alle Nägel sind verfärbt, einige haben Grübchen. Diese Veränderungen kann ich mit normalem Nagellack abdecken. Jedoch zerfällt der linke Daumennagel. Zuerst verdickte sich der Nagel, nun zerfällt er krümelig.
1. Was kann ich dagegen tun?
2. Gibt es "medizinische Manicure"? Oder die Möglichkeit den Nagel zu entfernen und eine künstliche Nagelplatte anzubringen?
3. Kann es sein, dass dieser Nagel ganz abfällt/zerbröselt und nie wieder gesund nachwächst?

Antwort

1.Die Behandlung von  Nagelpsoriasis ist schwierig. Die Nägel, die nicht stark befallen sind,  können mit einer Cortison und Vitamin D Salbe (z.B. Daivobet Salbe) am Nagelansatz hinten und mittels eine Cortison Lösung  (von vorne)  behandelt werden.  Die Behandlung muss mindestens  3 Monate lang gemacht werden, meisten für 6 Monate ( anfänglich täglich und nach 6-8 Wochen jeden 2-3 Tag) . Bei  stärker befallenen Nägel   wie der  Daumennagel  bei  Ihnen, kann man das Gleiche versuchen oder Cortison mittels einer Spritze unter die Haut spritzen. Als Alternative kann man dort eine Lasertherapie (Farbstoff-Laser) z.B. bei uns versuchen.  

Bei starkem Leidensdruck  kann man Medikamente innerlich einnehmen wie Metothrexat und Ciclosporin. Diese können aber mit Nebenwirkungen behaftet  sein. Am besten wirken die Biologic wie TNF Antagonisten (Enbrel, Humira, Remicade ). Dies wird aber von der Krankenkasse nur bezahlt, wenn sie begleitend  eine schwere Psoriasis haben. Dies kommt für Sie zur Zeit nicht in Frage.

2. Dies würde ich  Ihnen nicht empfehlen. Nicht zu viel am Nagel manipulieren, da dies alles verschlimmern kann

3. Dies kann sein aber meistens wächst der Nagel gesund nach, wenn die Behandlung wirkt ( am besten mit den TNF Antagonisten

Frage von Anna |

Sehr geehrter Herr Prof. Yawalkar
Wie lange dauert eine Therapie mit einem Biologikum? Braucht es parallel dazu eine topische Behandlung mit Crèmen etc. ?
Herzlichen Dank für Ihre Antwort
Anna

Antwort

Die Dauer der Behandlung mit einem  Biological  wird individuell  mit dem Patienten besprochen und ist auch vom Biological abhängig. V.a. Enbrel  und Humira kann man  kontinuierlich oder als Intervalltherapie anwenden. D.h. man macht die Behandlung meist  für ca. 12 Monate und bei sehr gutem Ansprechen ( keine oder fast keine Psoriasis) kann man eine Pause von 3 bis 6 Monate machen. In der Regel  kommt dann die Psoriasis wieder zurück  und man muss erneut  die Therapie anfangen. Viele Patienten möchten aber keine Pause machen und werden kontinuierlich weiterbehandelt.  Bei Remicade sollte  nicht unterbrochen werde, da dann mehr Nebenwirkungen entstehen.

 Auch bei einer Behandlung mit Biologics bleiben oft einzelne Herden übrig , die mit Salben (Kortison und Vitamin D) behandelt  werden.

Frage von Jasmin |

Guten Tag Herr Prof. Yawalkar
Auch ich leide stark unter meiner Kopfhautpsoriasis und stehe immer wieder ratlos da, wie ich mein Leiden lindern könnte. Viele Shampoo's lindern am Anfang etwas den Juckreiz, doch nach einer Zeit verliert sich die Wirkung und die Suche geht weiter. Was könnten Sie zur Pflege von Kopfhautspsoriasis empfehlen? Und wie sieht es mit Haarefärben aus? Soll man grundsätzlich keine Haarfärbemittel verwenden? Mit bestem Dank für die Antworten

Antwort

Siehe bitte meine Antworten an Werner und Marthe.

Die Behandlung ist leider nicht einfach und braucht auch oft viel Zeit. Wichtig ist, dass Sie konsequent 2 x pro Woche die Kopfhaut behandeln , wie erwähnt am besten mit einer  Kombination von Cortison/Vitamin D.  Manchmal verliert ein Cortison zeitweise die Wirkung und man muss das Präparat wechseln. Es kann später aber wieder wirken.

 Färben kann die Kopfhaut irritieren und die Psoriasis verschlimmern und empfehle ich nicht so.   

Frage von martha bürgler |

Sehr geehrter Herr Prof. Yawalkar,
welche Zusammenhänge sollte man als Pso-Betroffener beachten bei Übergewicht und Diabetes? Habe ein schlaues Buch gelesen, "Darm mit Charme",das mir gewisse Andeutungen macht. Wie kann ich mich besser verhalten,ausser nur abzunehmen ? ;)

Antwort

Das Buch ‚Darm mit Charme‘ habe ich nicht gelesen.

Bei Übergewicht ist Abnehmen am wichtigsten, da man immer wieder sieht, dass dann die Psoriasis besser wird und verschiedene  Medikamente auch besser wirken bzw. in einer niedrigeren Dosis gegeben werden können. Auch der Diabetes profitiert von einer Gewichtreduktion. Zudem weiss man, dass im Bauchfett entzündliche Botenstoffe gebildet werden, welche Herz- und Gefässkrankheiten fördern. Daher ist es v.a. wichtig, dass kein Bauchfett angesetzt wird. Gesunde Ernährung mit vielen Antioxidantien,  3 Omega-Fettsäuren, Fisch  ist auch  empfehlenswert.

Frage von Laura |

Guten Tag Herr Prof. Yawalkar
Es gibt immer ja immer neue Wirkstoffe im Bereich der Biologika. Kann man, zum Beispiel bei Nebenwirkungen, von einem Wirkstoff auf einen anderen wechseln oder gibt es hier eine "Wartefrist"?
Vielen Dank für Ihre Antwort!

Antwort

Bei Wirkungsverlust oder Nebenwirkungen kann man wechseln. Wie man wechselt ist abhängig vom Biologic. Bei solchen, die schnell abgebaut werden  wie Enbrel, muss man nur 1 Woche warten. Bei Humira wartet man 2 Wochen. Bei Biologics, die lange im Blut bleiben wie Remicade und Stelara muss man ca.  4 bis 8 Wochen warten bis man mit dem neuen Biologic  anfangen kann.

Frage von S. |

Guten Tag Herr Prof. Yawalkar
Gestern an Ihrem spannenden Black Box Vortrag habe ich in einer gezeigten Studie gesehen, dass 19% an der Begleiterscheinung Müdigkeit bei Psoraisis leiden. Ist das ein bekanntes Phänomen? und was würde hier helfen, wenn die Müdigkeit einschränkend ist?

Antwort

Bei Psoriasis Patienten ohne systemische Medikamente höre ich dies eher selten. Höchstens im Schub wenn die Patienten nicht gut schlafen können, z.B. wegen Juckreiz, Brennen . Bekannt ist Müdigkeit v.a. bei der Einnahme von MTX. Dann muss man die Dosis von MTX oft reduzieren und es geht anschliessend oft besser.

Frage von Marija |

Sehr geeherter Herr Yawalkar
Meine Frage: Stress und Psoriasis, habe beobachtet das die Schübe immer nach Stresssituationen auftretten, 1-2- Tage später, begleitet von Gelenk Schmerzen, vor allem Fuss und Hand Gelenke, was gibt es für Behandlungs Moglichkeiten?
Herzlichne Dank für Ihre Bemühungen

Antwort

Stress ist ein bekannter Faktor bei der Auslosung der Psoriasis. Primär sollten Sie versuchen die Stressfaktoren abzubauen ( z.B. Entspannungsübungen).  Vielleicht hilft auch eine psychologische Beratung. Wir haben auch Psoriasis-Schulungen mit einem Psychologen im Inselspital.

Frage von Susanna |

Sehr geehrter Herr Prof. Yawalkar
Ich habe ausser der Psoriasis vermutlich schon seit jungem Alter eine erhebliche Osteoporose. Diese wurde wohl vor ca. 40 Jahren, durch das direkt unter die Haut spritzen von Kortison gegen Psoriasis verursacht.
Nach genauer Abklärung wurde diagnostiziert, dass die Osteoporose seit ca. 8 Jahren stabil ist, nämlich seit ich meine sportlichen Betätigungen multipliziert und meine Ernährung angepasst habe. Der 7. Brustwirbel sei gequetscht, jedoch nicht abgebrochen. Ausserdem hatte ich Anfang Jahr bei einem Sturz eine Oberarmfraktur erlitten. Die Empfehlung lautet: 1 x jährlich (über 2 - 3 Jahre) eine Infusion mit Aclasta (Zoledronsäure).
Sind Ihnen Fälle bekannt, wo sich die Psori verschlechtert hat?
Danke für Ihre Rückantwort!
Susa

Antwort

Das Spritzen von Kortison oder die Einnahme mit Tabl  über längere Zeit kann leider eine Osteoporose fördern.

Habe noch nachgeschaut, ob Zoledronsäure eine Psoriasis auslösen kann und keine Zunahme gefunden.  Habe dies bei meinen Patient auch nicht bemerkt.

Frage von J. |

Gibt es auch die Möglichkeit von Okklusiv Pflaster oder speziellen Nagellack für Fingernagelpsoriasis?

Antwort

Es gibt zwar einen Pflaster mit Kortison (Betesil), die ist aber für die Haut und nicht für die Nägel.

Wenn die Nägel verhärtet sind, kann manchmal Cremolan Nagellack (ohne Kortison) helfen.

Frage von Arthur Meyer |

Sehr geehrter Herr Prof. Yawalkar
Ab wann ungefähr ist mit der Freigabe von Apremilast in der Schweiz zu rechnen? Und mit welchen Auflagen von den Krankenkassen ist zu rechnen? z.B. vorgängige Anwendung von MTX ?
Danke für ihre Antwort!
A. Meyer

Antwort

Apremilast  wird sehr bald bewilligt sein und   ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die auf eine systemische Therapie nicht angesprochen haben, eine solche nicht tolerieren oder wenn eine solche kontraindiziert ist.

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