Psoriasis an Problemzonen

Diese Fragerunde findet statt am 19. November 2015 von 17-19h.

" Psoriasis an 'Problemzonen' (z.B. Ohren, Gesicht, Kopfhaut, Psoriasis inversa) Psoriasis der Hände und Füsse sowie der Nägel) und Psoriasis bei Kindern.

Hautarztpraxis PD Dr. med. Marcel Lucas Müller, Obere Bahnhofstr. 1, CH-9500 Wil SG
Web : http://www.derma-wil.ch

Haben Sie Fragen wie Sie Kopfhautpsoriasis am Besten behandeln? Wie geht man mit Psoriasis an heiklen Stellen um? Auf was muss man achten, wenn man Psoriasis an Händen und Füssen hat? Stellen Sie uns Ihre Fragen online.

Sie können Ihre Frage auch bereits vorgänig eingeben. Die Antworten werden direkt am 19.11.2015 aufgeschaltet und live beantwortet.

Frage von Katharina |

Guten Tag, Herr Dr. Müller,

Unsere jugendlichen Kinder sind von Psoriasis, bzw. Psoriasisarthritis betroffen.
Welche Hygienemassnamen soll ich meinen jugendlichen Kindern empfehlen, betreffend Intimzonepflege?
Beide sprechen nicht gerne darüber. Sie benutzen beim Duschen ein PH neutrales Körperduschmittel. Ist dies so empfehlenswert, oder kann der Sohn auf ein "männlicheres Duschprodukt" umsteigen? Ist ein Waschlappen notwendig, um schuppige Teile im Analbereich abzureiben? oder empfiehlt sich eher ein pflegendes Feuchttüchlein nach dem Klogang?
Wie sollen die Jugendlichen damit umgehen, wenn die Haut im Schamhaarbereich gerötet ist und teils Schuppen hat?
Kann Psoriasis auch den inneren Teil einer Scham betreffen? Wenn ja, was wäre dann zu tun?

Im Voraus Danke und freundliche Grüsse.

Antwort

Liebe Katharina,

Sie haben recht, die Intimpflege ist bei Erwachsenen mit Psoriasis, aber natürlich besonders bei Kindern nicht einfach. Wenn man zu viel macht, ist das manchmal genauso schlecht, wie wenn man zu wenig macht. Dass Ihre Kinder nicht gerne darüber sprechen, kann man gut nachvollziehen. Ein pH-neutrales Duschprodukt ist sicherlich nicht schlecht, wenn Ihre Kinder ein "männlicheres" Produkt lieber hätten, könnten sie das von mir aus ruhig ausprobieren. Wenn sie es vertragen, spricht nichts dagegen.

Ich würde die Haut mechanisch nicht zu stark mit dem Waschlappen reizen, sondern eher versuchen, die offenbar eher wenigen Schuppen mit einer schuppenlösenden Crème oder sogar mit einem Schuppen-Schampoo (z.B. Squamed Schampoo) zu behandeln, oder sie einfach in Ruhe lassen. Feuchttücher sind bei Dermatologen nicht beliebt, weil diese verschiedene Stoffe enthalten könne (z.B. Parfüm), welche die Haut reizen - diese würde ich ganz weglassen, sondern eher mit einer milden Crème (evtl. mit Urea, z.B. Eucerin 10% Urea Crème) pflegen.

Wenn die Psoriasis im Intimbereich mit diesen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen ist, müssen Sie mit Medikamenten, d.h. speziellen Crèmes, behandeln, das aber dann in Rücksprache mit einer Dermatologin oder einem Dermatologen. Mit den Cortison-freien Elidel Crème oder Protopic Salbe lassen sich hier gute Erfolge erzielen. Die Psoriasis kann auch den inneren Bereich der Scham betreffen.

Sollten in dem recht jungen Alter Ihrer Kinder aber weitere Beschwerden hinzukommen (Arthritis), wäre u.U. auch eine einmalige Vorstellung in der dermatologischen Abteilung am Universitätsspital zur Evaluation der Gesamtsituation zu überlegen.

Alles Gute und viele Grüsse

Marcel Müller.

 

Frage von A.B. |

Bin 65, m, pensioniert, seit Jahren Psoriasis an rechtem Knie und linkem Bein, ansonsten gesund.
Wegen stark schmerzenden und geschwollenen Gelenken hat mein HMO-Arzt nun eine Überweisung an eine Dermatologin veranlasst. Termin im Dezember.
Er hat erwähnt, dass eventuell eine Behandlung mit einem Biologicum notwendig werden könnte. Meine Fragen:
Wer kann eine Behandlung mit einem Biologicum durchführen?
Gibt es spezialisierte Kliniken?
Wie lange dauert so eine Behandlung?
Stationär oder ambulant?
Sind unangenehme Nebenwirkungen zu erwarten?
Welche Behandlungs-Intervalle nach der ersten Therapie?
Vielen Dank für die Antworten.

Antwort

Guten Tag,

die Behandlung mit einem Biologikum ist sicher eine sehr gute Idee. Die Psoriasis ist ja bekanntermassen eine Erkrankung, die vor allem die Haut, aber nicht selten auch die Gelenke betrifft. In Ihrem Falle scheinen die Gelenke schwerer betroffen zu sein als die Haut, sodass ich selber hier wahrscheinlich eher einen Rheumatologen, der sich u.a. speziell um Gelenksprobleme ggf. in Zusammenarbeit mit der Dermatologin kümmert, hinzuziehen würde. Er könnte Ihnen nicht nur das Biologikum geben, sondern auch z.B. das Schmerzmanagement und eventuelle weitere Abklärungen (Röntgenbilder etc.) übernehmen.

Aber bei einer Dermatologin sind Sie sicherlich bezüglich der Medikamente auch in besten Händen. Wie eine Therapie mit einem Biologikum genau abläuft, hängt von dem speziellen Medikament ab, welches sie anwendet. Sicherlich muss man nicht in eine Klinik dafür gehen. Meist reicht es, die Behandlung zu Beginn miteinander zu besprechen, ein ausgiebiges Labor zur Bestimmung einiger Blutparameter zu machen, und kann dann, wenn alles gut ist, sofort beginnen. Die Spritzen könnten Sie sich sogar selber geben (alle zwei Wochen oder länger je nach Medikament) und müssten nur ab und zu zur Dermatologin, um den Erfolg der Behandlung und ggf. die Blutparameter zu überwachen.

Unangenehme Nebenwirkungen sind wie bei allen medizinischen Behandlungen natürlich möglich, aber ich kann Sie nur ermuntern, diesen Schritt zu machen, damit Sie von Ihren Schmerzen erlöst werden.

Gute Besserung

Marcel Müller.

Frage von Susanna K. |

Guten Tag Herr Dr. Müller
Ich leide seit 20 Jahren an einer leichten bis mittleren Psoriasis. Seit ca 2 Jahren tauchen an meinen Händen schmerzenden blasenartige Pustlen auf und vermehren sich kreisförmig. Dann verschwinden diese wieder und plötzlich tauchen Neue auf. Meine Frage ist nun; hat dies in einer Form etwas mit der Psoriasis zu tun, auch wenn diese mit Plaques nicht vergleichbar sind? Und was hilft dagegen? Mit einer Cortisonsalbe habe ich es versucht, hilft aber eher wenig. Mit besten Grüssen für die Antwort

Antwort

Liebe Susanna,

ja, das steht höchstwahrscheinlich miteinander im Zusammenhang: Diese Pusteln nennt man "Psoriasis pustulosa palmaris et plantaris", die Behandlung ist leider nicht ganz einfach, da sie sehr hartnäckig sind. Oft helfen starke Cortison-Crèmes, deren Wirkung man für ein paar Stunden mit Handschuhen ("okklusiver Effekt") verstärken kann, zusammen mit keratolytischen, d.h. Schuppen lösenden Crèmes. Sollte das nicht reichen, kann man mit der sogenannten "Crème-PUVA" mit UV-Licht eine Verbesserung (bei Ihrer Dermatologin) erreichen, manchmal sind aber auch stärkere Medikamente in Form von Tabletten oder Spritzen notwendig. Auf natürlicher Basis könnten Sie es mit Eichenrindenextrakten oder Hamamelis probieren, auch bei unter einer Akupunktur-Behandlung sind vereinzelte Erfolge beschrieben worden.

Ich würde die Hände nach Möglichkeit nicht zu stark mechanisch belasten (z.B. schwere Lasten tragen), um es nicht zu verschlechtern. Es gibt noch ein paar andere (theoretische) Ursachen für eine ähnliche Symptomatik (z.B. ein "pustulöses Bakterid Andrews", ggf. auch ein chronisches Handekzem und andere), das sollte man vorher sicher nochmals mit einer  Dermatologin besprechen.

Gute Besserung

Marcel Müller.

 

Frage von Maria |

Sehr geehrter Dr. Müller
bin (55) und habe die Diagnose Psoriasis Arthritis.
Medikamentös werde ich mit Methotrexat behandelt. Die Tabletten wirken aber zu wenig. Daher wurde auf Spritzen umgestellt, obwohl ich mit jeder Stichstelle extreme Hautverfärbungen erleide die nicht mehr weggehen.
Meine Frage:
Könnten die Flecken auf eine Allergie hindeuten?
Was habe ich für Alternativen?

Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Antwort-

Antwort

Liebe Maria,

bei einer ausgeprägten Psoriasis-Arthritis gibt man lieber Methotrexat als Spritze, da die Tabletten weniger gut wirken, das ist also schon ganz gut. Die Verfärbungen an den Einstichstellen sind eher untypisch, manchmal liegt es an der Technik (zu wenig tief, zu schräg, zu langsam, in die falsche Hautstelle etc.). An eine Allergie glaube ich bei dieser Symptomatik nicht, Vielleicht sprechen Sie nochmal mit Ihrem Rheumatologen oder Dermatologen, was er für Alternativen sieht - es gibt andere Medikamente (die sog. "Biologics", siehe auch den Expertenchat mit Professor Yawalkar), die bei eine ausgeprägten Psoriasis-Arthritis eine gute Wirkung haben und die man nur alle zwei Wochen oder sogar seltener spritzen muss.

Alles Gute

Marcel Müller.

 

Frage von Renata Behrendt |

Was kann ich bei extrem trockener schuppender Kopfhaut machen? Anti Schuppen Shampoos und Kortison helefn mir nicht. Welche natürlichen Mittel gibt es?

Antwort

Sehr geehrte Frau Behrendt,

vielleicht ist Ihre Kopfhaut ja einfach nur extrem trocken, dann würden Sie mit aggressiven Schuppenschampoos die Situation u.U. eher verschlechtern. Probieren Sie doch mal eine "Olivenölkappe": einfach genug Olivenöl in die Kopfhaut einmassieren, dann eine alte Badekappe, Mütze o.ö. darüber ziehen und über Nacht einwirken lassen, am anderen Morgen mit einem milden Schampoo (z.B. einem Babyschampoo) auswaschen.

Wenn es sich doch um die bei Psoriasis manchmal sehr fest haftenden, silbrig glänzenden Schuppen handelt, würde ich eine ähnliche Kopfkappe mit Salicylöl (z.B. Lotio decapans der Firma Widmer) empfehlen, das ist zwar nicht hunderprozentig natürlich, aber zumindest cortisonfrei. Das sollte die Schuppen nach zwei oder drei Anwendungen deutlich reduzieren...

Beste Grüsse

Marcel Müller.

Frage von B.C. |

Guten Tag Dr. Müller
Ich habe gehört, dass man im Genitalbereich besser kein Kortison verwenden sollte. Was wäre hier für eine Créme zur Behandlung bei Psoriasis angesagt? Und ist es normal, dass nach Sex der Juckreiz verstärkt auftritt? Wie soll man damit umgehen? Besten Dank für die Antwort.

Antwort

Guten Tag,

ja, im Genitalbereich würde ich kein Cortison empfehlen. Hier haben sich die sogenannten "Calcineurininhibitoren" (Elidel Crème, Protopic Salbe 0.03% oder 0.1%) bewährt. Die sind zwar auch nicht ganz nebenwirkungsfrei, haben aber weniger negative Auswirkungen auf die Haut, gerade wenn man sie etwas länger anwendet. Es kann schon sein, dass nach dem Sex der Juckreiz etwas zunimmt, aber dem würde ich keine weitere Bedeutung zumessen.

Beste Grüsse

Marcel Müller.

Frage von Zemp Jasmin |

Guten Tag Dr. Müller Ich bin 25 Jahre alt. Leide seit zwei Jahren an starker Kopfhaut Porasis. Alles Kortison salben, schaum uns. helfen nicht. Habe vor zwei Monaten angefangen mit Uv Licht Kamm zwei mal pro Woche. Habe aufgehört nach 40 Bestralungen, seitdem habe ich eine ständige Ūbelkeit, kann das vom Licht sein, weil ich bin sehr empfindlich auf Sonnenlicht? Jetzt möchte meine Dermatologin Biolocicum Spritzen probieren. Wie ist die zusammensetzung diser Spritzen? Ich danke Ihen das es die Möglichkeit gibt Ihnen zu schreiben.

Antwort

Liebe Frau Zemp,

der UV-Kamm für die Psoriasis an der Kopfhaut ist leider oft nicht so wirksam wie UV-Licht für die Psoriasis am Körper. Dass Ihre Übelkeit mit dem Kamm in Zusammenhang steht, kann ich mir nicht vorstellen - wenn das Problem weiterhin besteht, würde ich das einmal mit dem Hausarzt besprechen.

Ihre Dermatologin hat Recht, wenn Sie Ihnen ein Biologicum empfiehlt: das sind neue Medikamente, die man in regelmässigem Abstand sich selber spritzen kann und die den Mechanismus der Psoriasis oft sehr wirksam blockieren, bei einem überschaubaren Nebenwirkungsprofil. Im Expertenchat von Professor Yawalkar vom Juni diesen Jahres finden Sie hier mehr Informationen. Als Alternative käme auch ein neuer Wirkstoff in Frage (Apremilast (Otezla)), den man als Tablette einnehmen kann. Ich würde mich aber vor allem vertrauensvoll an Ihre Dermatologin wenden. 

Gute Besserung

Marcel Müller.

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